Lili Theilen
WEISSENSEE KUNSTHOCHSCHULE BERLIN
Ein wesentlicher Aspekt meiner Arbeit ist das Verorten von Personen im Raum. Dabei interessiert mich weniger ein klar definierter architektonischer Raum als vielmehr ein psychischer oder gedanklicher Raum. Diese Räume können stabil erscheinen, aber ebenso fragil sein; sie können sich verdichten oder kollabieren – abhängig davon, wie viel Raum eine Figur in ihnen einnimmt oder einnehmen darf. Die Arbeiten sind bewusst in ihrer Farblichkeit reduziert, wodurch eine konzentrierte, beinahe kontemplative Bildatmosphäre entsteht. Die Figuren erscheinen häufig allein, jedoch nicht notwendigerweise einsam. Ihr Alleinsein verstehe ich eher als einen Zustand der Selbstverortung, als einen Moment des Insich-Seins, in dem die Beziehung zwischen Körper, Figur und Raum neu austariert wird.
Innerhalb dieser Bildräume begegnen sich Bewegungen, die zugleich statisch und eingefroren wirken, und Figurationen, die durch ihre skizzenhafte, durchlässige Erscheinung eine gewisse Fluidität und Dynamik entfalten. Mich interessiert dieses Spannungsfeld zwischen Gegensätzen: zwischen Härte und Weichheit, Stärke und Vulnerabilität, Fixierung und Auflösung. Die malerische Reduktion – sowohl in der Farbigkeit als auch in der Anzahl der Bildelemente – fungiert dabei als formales Mittel der Konzentration. Sie begrenzt die Szene auf wenige, prägnante Elemente und erlaubt es, jene Details hervorzuheben, die die narrative Struktur des Bildes tragen.